Literacy – früher Schriftspracherwerb in Kita, Krippe und Kindergarten Chancen der Unterstützung eines frühen Schriftspracherwerbs über den Einsatz digitaler Medien

Lesen und Schreiben eröffnet Menschen die Welt des Wissens. Schon früh können pädagogische Fachkräfte in Krippe und Kindergarten dies gemeinsam mit Eltern und Kindern thematisieren. Digitale Anwendungen zur Dokumentation der Entwicklungsprozesse können hierfür hilfreich sein.

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Literacy im Kindergarten – mehr als Lesen und Schreiben

Der englischsprachige Fachbegriff Literacy wird im Deutschen oft mit Literalität oder mit Lese- und Schreibkompetenz übersetzt. Diese wörtlichen Übersetzungen werden Literacy jedoch nicht ganz gerecht und bringen den Begriff fälschlicherweise ausschließlich mit den Fähigkeiten Lesen und Schreiben in Verbindung. Literacy umfasst viel mehr als das. Der Begriff beinhaltet ganz grundlegende (elementare) Erfahrungen in den Bereichen Sprache, Kommunikation und Schriftkultur, die der eigentlichen Lese- und Schreibfähigkeit vorgelagert sind. 

Im frühpädagogischen Gebrauch hat sich daher vor allem die Definition des Begriffs von Ulich etabliert, die Literacy als “Sammelbegriff für kindliche Erfahrungen und Kompetenzen rund um Buch-, Erzähl-, Reim-, und Schriftkultur“ beschreibt. Im Vordergrund der Literacy-Förderung im Kindergarten stehen zum Beispiel der Umgang und die Vertrautheit mit Büchern oder das Interesse an Schrift und Erzählgeschichten. Aufgrund der vielschichtigen Bedeutung des Begriffes wird Literacy daher auch im deutschen Sprachgebrauch verwendet.

Lange Zeit wurde angenommen, dass der frühe Schriftspracherwerb erst mit Eintritt in die Schule einsetzt. Kinder beginnen aber schon viel früher damit, sich Fähigkeiten im Umfeld von Lesen und Schreiben anzueignen. Sie schauen sich zum Beispiel Bücher an und erfinden zu den Bildern eigene Geschichten, beobachten ältere Kinder und Erwachsene beim Schreiben und ahmen sie nach, indem sie Buchstaben malen. Viele Kinder möchten sogar schon vor Schuleintritt ihren eigenen Namen schreiben. Kinder zeigen alltäglich Interesse an ihrer schrift- und sprachgeprägten Umgebung und wollen diese erkunden. Die Förderung von Literacy-Kompetenzen in Kindertageseinrichtungen soll nicht auf das vorgezogene Lesen und Schreiben lernen der Schule abzielen. Vielmehr geht es darum die kindlichen Interessen im Umfeld von Lesen und Schreiben zu begleiten und zu unterstützen.

Durch die Förderung von Literacy-Kompetenzen erfahren und erkennen Kinder zum Beispiel, dass Symbole und Schriftzeichen eine Bedeutung haben und Informationen transportieren. Dies wird beispielsweise dann deutlich, wenn Kinder Piktogramme wie Straßenschilder oder Markensymbole beim Einkaufen wiedererkennen und mit Inhalten wie “da ist unsere Milch” verknüpfen. Auch das Erkennen des Anfangsbuchstabens ihres eigenen Namens gehört dazu. 

Förderung von Literacy-Kompetenzen in Kindergarten, Krippe, Kita und Hort

In der frühpädagogischen Forschung wird der Literacy-Förderung mittlerweile eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Frühe Erfahrungen mit Büchern, Geschichten und Schriftzeichen sollen sich positiv und nachhaltig auf die Sprachkompetenz und somit auf den späteren Lernerfolg in der Schule sowie die gesellschaftliche Teilhabe auswirken. Pädagogische Fachkräfte können mit einer ansprechenden Umgebung in Krippe und Kita die Kinder beim frühen Schriftspracherwerb unterstützen und eventuelle Unterschiede aus dem familiären Umfeld ausgleichen.

In den Bildungs- und Erziehungsplänen der Bundesländer ist die Förderung von Literacy als eigener Bildungsbereich aufgeführt. Als Ziele werden u.a. die Freude am Umgang mit Büchern und am Sprechen, Erkennen von Schriftzeichen, Bewusstsein über Sprache und Mehrsprachigkeit oder Interesse am Dialog und aktives Zuhören genannt. Pädagogische Fachkräfte können die Sprach- und Literacy-Kompetenzen der Kinder auf vielfältige Art fördern. Sie können beispielsweise eine ansprechende Lernumgebung mit Bücherecken oder Hörspielen schaffen. Darüber hinaus können sie konkrete Bildungsangebote machen, wie gemeinsame Bilderbuchbetrachtungen, Fingerspiele, Märchenstunden und Rollen- oder Handpuppenspiele.

Beobachtung und Dokumentation der sprachlichen Entwicklung

Beobachtung und Dokumentation von kindlicher Entwicklung haben einen hohen Stellenwert und sind Teil der pädagogischen Arbeit in Kitas. Sie ermöglichen, die Entwicklungsprozesse und Lernfortschritte sichtbar zu machen und geben Anhaltspunkte für eine gezielte und individuelle pädagogische Unterstützung. Neben offenen Ansätzen, wie beispielsweise Portfolios, werden in Kitas vordergründig systematische Beobachtungsinstrumente eingesetzt. Die gängigsten Beobachtungsbögen mit direktem Bezug zur sprachlichen Entwicklung sind:

  • BaSiK (Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen),
  • liseb (Literacy und Sprachentwicklung beobachten),
  • seldak (Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern),
  • selsa (Sprachentwicklung und Literacy bei Kindern im Schulalter, für Hortkinder geeignet) und
  • sismik (Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen).

Diese Beobachtungsbögen sollen einen möglichst objektiven und vergleichenden Einblick in den Entwicklungsstand des Kindes ermöglichen. Eine Übersicht und Erläuterung der weiteren Beobachtungsbögen finden Sie hier detaillierter beschrieben.

Zum Großteil werden die Beobachtungen mithilfe von Bewertungsskalen dokumentiert. Der letztlich ermittelte Ergebniswert zeigt an, welchen sprachlichen Entwicklungsstand bzw. frühe Lese- und Schreibkompetenzen das Kind im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen aufweist.

Die Dokumentation bietet der pädagogischen Fachkraft auch die Möglichkeit der (Selbst-)Reflexion vor allem hinsichtlich der pädagogischen Planung: Welche Literacy-Angebote gefallen dem Kind besonders? Warum gefällt ein Angebot dem Kind nicht? Wie kann ich das Literacy-Angebot anpassen, damit das Kind daran Gefallen hat und sich aktiv beteiligt?

Potenziale digitaler Dokumentation von Literacy-Kompetenzen

Digitale Entwicklungsdokumentation von Literacy-Kompetenzen in Kitas bietet unterschiedliche Funktionen und Möglichkeiten, die die Qualität und die Transparenz der pädagogischen Arbeit steigern können. Unterschiedliche Formen der Entwicklungsdokumentationen von Portfolio bis hin zur Beobachtungsdokumentation können in KITALINO an einem zentralen Ort sicher gespeichert, dem jeweiligen Kind zugeordnet und dort ganz einfach wiedergefunden werden.

Die Verknüpfung von quantitativer und qualitativer Dokumentation kann für das Literacy-Verständnis pädagogischer Fachkräfte sehr hilfreich sein. Mit KITALINO kann beispielsweise der Beobachtungsbogen BaSiK Ü3 von Fachkräften digital ausgefüllt und auf Knopfdruck ganz einfach ausgewertet werden. Im BaSiK-Verfahren können Beobachtungen in der Kategorie „Literacy“ genau qualitativ beschrieben werden, z.B. inwieweit Kinder Buchstaben aneinanderreihen und versuchen, Worte zu schreiben. Im Beisein der Fachkraft können Kinder mehrere Fotos von ihren Schreibversuchen bis hin zum Schreiben des eigenen Namens mit FOTOLINO aufnehmen. So kann die beschriebene Beobachtungssituation über die Fotos transparent begründet und nachvollzogen werden. 

Die Kombination systematischer Beobachtungsverfahren und freier Dokumentation an einem Ort ermöglicht allen Beteiligten, den aktuellen Stand und die Entwicklung von Kindern im Bereich Literacy nachzuvollziehen und ihn mit anderen zu teilen. Neben Literacy ist das selbstverständlich auch für alle anderen kindlichen Entwicklungsbereiche möglich und beispielsweise mit digitalem Portfolio in KITALINO erweiterbar.

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